Wenn die Menstruation dich zwingt,  zuhause zu bleiben!

Monat für Monat fünf verlorene Tage zuhause – keine Arbeit, keine Schule, nix!

Für viele Frauen weltweit ist die Menstruation jeden Monat neu das Ende ihrer Mobilität und Freiheit! Binden sind unerschwinglich teuer, andere Alternativen gibt es nicht. So bleiben sie gezwungenermaßen zuhause. Damit können wir uns nicht abfinden!

Menstruation - Freiheit, Respekt, Würde, Mobilität

Natürlich kann man fast überall auf dieser Welt Binden kaufen. Aber sie sind richtig teuer. Und Menschen an der Armutsgrenze haben für Frauenhygiene ein Monatsbudget von genau 0,00 Euro. So bleiben Frauen und Mädchen zu Hause.
Für berufstätige Frauen ist es ein Dilemma. Lohnfortzahlung wegen Menstruation gibt es auch bei uns nicht, in Pakistan noch viel weniger. Ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um interessante Führungspositionen gegenüber männlichen Mitbewerbern sind 5 Fehltage pro Monat sicher auch nicht. Deshalb investieren Frauen dann auch 5 bis 10 Prozent ihres Einkommens in Damenbinden, um trotz Periode in die Arbeit gehen zu können.
Das sind je nach Beruf in unseren Dimensionen 200 bis 500 Euro jeden Monat, die halbe Miete!

Mädchen in der Pubertät

Mädchen trifft es noch härter. Sobald sie in die Pubertät kommen, verpassen sie einen erheblichen Teil des Unterrichts.

Preisfrage: Wenn du zwei Kinder hast, einen Jungen und ein Mädchen, aber das Schulgeld reicht nur für ein Kind, wen schickst du in die Schule? Das Mädchen, das ein Viertel des Unterrichts verpasst? Natürlich den Jungen! Und das hat dann noch nicht mal was mit Diskriminierung zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.

So dürfen je nach Land und Situation Mädchen schon seltener in die Schule gehen. Sie fehlen öfter, verlieren leichter den Anschluss und brechen oft die Schule ganz ab. Und die Konsequenz: Sie können keine Ausbildung machen, heiraten früher und kriegen, selbst noch Kinder, selber Kinder.

Der Teufelskreis der Armut

So dreht sich der Teufelskreis der Armut weiter und weiter! Eine Fülle von Faktoren halten Menschen und Regionen in Armut, schwer zu greifen und schwer zu ändern – Klimaentwicklung und politische Situation, Tradition und Kultur, Krankheiten, Mangel an Bildung und sanitärer Versorgung,  fehlende Arbeit und Infrastruktur, Terror und Krieg ….

Aber dass das Fehlen von ein paar Binden, die es hier bei Aldi um die Ecke zu einem Spottpreis gibt, die Träume und Zukunftsperspektiven von Millionen von Mädchen zu Nichte macht, das will mir nicht in den Kopf!

Menstruationshygiene

Von der Damenbinde bis zur Menstruationstasse

An erster Stelle der Beliebtheit steht weltweit für die, die es sich leisten können, die übliche Einweg-Damenbinde – nur in Deutschland werden Tampons bevorzugt. Sowohl Binden als auch Tampons bestehen im Allgemeinen aus Schichten verschiedener Kunstfasern.  Dadurch ist eine hohe Saugfähigkeit und Sicherheit gewährleistet. Entsprechend aufwendig ist die Produktion und entsprechend hoch ist auch der Preis. (Entsprechend schwierig ist auch die Müllentsorgung dieser Hygieneprodukte)
Wer das Geld nicht hat, ist auf Blätter, Papier, Zeitung oder Stoffreste angewiesen und muss zuhause bleiben.

Doch inzwischen gibt es Alternativen – leider für immer noch viel zu wenig Frauen und Mädchen:

  • Vor Ort produzierte Einweg-Binden aus natürlichen, verfügbaren Materialien

    wie z. B. Zellstoff, Bananenstauden oder Wasserhyazinthen. Sie kosten einen Bruchteil der importierten Binden und sind dadurch wettbewerbsfähig. Durch die Produktion werden Arbeitsplätze geschaffen, meist tun sich Frauen in Gruppen zusammen. Mit 0,00 Euro Budget sind auch sie nicht erschwinglich.

  • Wiederverwertbare Binden aus buntem Stoff

    Eine Reihe von Initiativen haben Bindenmodelle entwickelt, die etwa ein bis zwei Jahre haltbar sind und keine laufenden Kosten verursachen. Für die Produktion ist neben weichen saugfähigen Baumwollstoffen auch eine wasserdichte, atmungsaktive Spezialfolie erforderlich, die von außerhalb importiert werden muss. Sie sind ideal als einmalige „Grundausstattung“ für Mädchen und Frauen, denen damit Mobilität auch während ihrer Tage ermöglicht wird. Dabei muss Wasser zur Reinigung verfügbar sein. Das Material oder die fertigen Binden müssen gesponsert werden. Oft werden die Binden auch vor Ort von Mädchen- und Frauengruppen genäht, – entweder für sich selbst – oder zum Verkauf an staatliche oder private Institutionen, die sie dann weiterverteilen.

  • Menstruationstassen

    Obwohl schon in den 30-er Jahren erfunden, erfreut sich der „Cup“ erst jetzt so langsam wachsender Beliebtheit. Menstruationstassen halten 10 bis 15 Jahre, lassen sich einfach mit Wasser reinigen und sollten nach der Periode jeweils einmal kurz abgekocht werden, es ist also auch Wasser erforderlich. Sie sind als einmalige „Grundausstattung“ noch pflegeleichter als Stoffbinden, brauchen aber eine Eingewöhnungszeit. Außerdem gibt es in verschiedenen Ländern religiöse oder kulturelle Vorbehalte gegen die Nutzung von Menstruationstassen (genauso auch gegen Tampons).

  • Period Panties

    Der deutsche Ausdruck „Periodenunterwäsche“ klingt entsetzlich altmodisch für etwas sehr praktisch Neues, die auslaufsichere Unterhose mit integrierter oder einsetzbarer saugfähiger Einlage. Sie fällt auch unter die Rubrik „zu sponsernde Grundausstattung“, für die Reinigung muss Wasser vorhanden sein.

Menstruation Man

Ein indischer Hilfsarbeiter experimentiert mit  Ochsenblut

Arunachalam Muruganantham ist ein Inder aus armen Verhältnissen. Mit 14 musste er die Schule abbrechen, um für sich und seine Familie das Überleben zu sichern. Nach seiner Heirat fiel ihm auf, was für unhygienische Lappen seine Frau während ihrer Tage benutzte. Das Geld für die teuren Damenbinden hatte sie nicht.
Er verbiss sich in die Idee, für seine Frau Binden zu entwickeln, die so praktisch wie die ausländischen Binden, aber wesentlich billiger sein sollten. Seine Frau konnte nur alle 28 Tage neue Materialien testen. Fremde Frauen konnte er nicht dazu bewegen, ihm ehrliche Antwort zum Tragekomfort und der Saugfähigkeit der von ihm entwickelten Materialien zu geben. So zog er sich seine Binden selber an! Er testete sie mit einer kleinen Pumpe und Ochsenblut.
Daran scheiterte schließlich seine Ehe; seine Eltern und das ganzes Dorf brachen den Kontakt mit ihm ab. Doch er ließ nicht locker und am Ende hatte er eine Binde aus Zellstoff und Fasern von Pinienholz entwickelt.

Das Leben von Hunderttausenden von Frauen und Mädchen in Indien verändert sich

Und darüber hinaus hatte er auch eine Maschine gebaut, mit der diese Binden in Masse produziert werden konnten. Nachhaltig und aus Naturmaterialien vor Ort. Und dazu zu einem Bruchteil des Preises der üblichen Binden. Er ermöglichte, dass Frauenkooperativen in ganz Indien solche Maschinen kaufen und über den Verkauf von Binden refinanzieren konnten. Eine Win-Win-Situation: Frauen konnten sich ein Einkommen sichern und gleichzeitig anderen Frauen und Mädchen den günstigen Zugang zu Binden sichern.
Arunachalam Muruganantham ist inzwischen ein weltweit gefragter Sprecher und Berater, seine Ehe ist wiederhergestellt und er hat viele andere Menschen inspiriert.

Tausende seiner und ähnlicher Maschinen sind mittlerweile in Indien und in anderen Ländern in Gebrauch. Sie ermöglichen Heerscharen von Frauen Mobilität und Freiheit während ihrer Periode.
Übrigens,der Film Period. End of Sentence (Deutsch: Stigma Monatsblutung) über eine solche Frauengruppe hat dieses Jahr den Oscar als Bester Dokumentar-Kurzfilm gewonnen.

Der Menstrual Hygiene Day

Lobbyarbeit, damit alle mit der Menstruation verbundenen Tabus, Stigmata und Beschränkungen aufhören, unter denen Mädchen und Frauen weltweit leiden.

Menstrual Hygiene Day - Quiz

Die deutsche Non Profit Organisation WASH United hat den Menstrual Hygiene Day ins Leben gerufen, er fand erstmalig am 28. Mai 2014 statt. Auf der Webseite Menstrualhygieneday.org sind eine Fülle von Quellen, Informationen, Kampagnenmaterial und Fotos aus aller Welt von den letzten Jahren zu finden. Hashtags #MHD, #NoLimits, #ItsTimeForAction, #MHD2019 und #TamponTax #PeriodPoverty.

Menstruation – Ein Geniestreich der Schöpfung!

Obwohl ein ganz normaler biologischer Vorgang, ist die monatliche Periode immer noch mit Scham besetzt. Es ist von „Erdbeerwoche“ oder dem „Besuch der roten Tante“ die Rede, man hat „seine Tage“ oder den „roten Ferrari in der Tiefgarage“. Nur ein paar abgebrühte Frauen bringen die Sache auf den Punkt: „Ich blute!“

Dabei ist es ein Wunder der Natur: Frauen verlieren während der Menstruation nur deshalb etwas mehr Blut, weil es der neue Erdenbürger eben besonders kuschlig hätte haben sollen, wenn es ihn denn gegeben hätte: Eine schöne flauschige Tapete in der kleinen Ein-Raum-Wohnung, die er oder sie 9 Monate bewohnt hätte.
Und weil vier Wochen später der neue potentielle kleine Erdenbürger wieder eine neue frische Tapete bekommen soll, muss die alte fachgerecht entsorgt werden.

Menstruation – Freiheit und Respekt!

Die monatlichen Tage sind ganz normal, aber manchmal auch sehr emotional:

  • Da sind die starken Stimmungsschwankungen in den Tagen davor (Stichwort PMS – das prämenstruelle Syndrom).
  • Bleibt die Periode aus, dann steht natürlich diese Frage im Raum: Schwanger oder nicht? Anlass zu großer Freude, aber eben auch zu verzweifelter Panik.
  • Kommt sie, ist es vielleicht eine große Enttäuschung: Wieder geht der Kinderwunsch nicht in Erfüllung. Und schließlich irgendwann die verzweifelte Frage: Bin ich unfruchtbar?

Dazu kommen die kulturellen, religiösen oder säkularen Vorgaben, die sich zwischen zwei Extremen bewegen:

  • Das eine Extrem ist die  erzwungene oder freiwillige Absonderung aller menstruierenden Frauen der Nachbarschaft zu einsamem Leiden oder zu gemeinsamem Rückzug, Ritualen oder Feiern.
  • Das andere Extrem ist das geforderte oder gewünschte Funktionieren wie an allen anderen Tagen auch – unbeeinträchtigt von der Menstruation – am besten gleich ganz die Abschaffung – periodenfrei.

Das alles ist schon kompliziert genug.

Sich dann auch noch mit dem Fehlen von Binden oder anderen Periodenprodukten quälen zu müssen, das ist ÜBERFLÜSSIG!

Was tun?

Nicht nur Frauen aus Entwicklungsländern sind betroffen. Es ist auch die Tragik vieler Flüchtlinge. Sie wurden durch Krieg oder Verfolgung aus ihrem Umfeld gerissen und finden sich jetzt in desolaten Situationen vor. Kein Schulunterricht für ihre Kinder, kaum Arbeitsmöglichkeiten, keine Perspektive und dann eben auch noch schlechte sanitäre Verhältnisse und keine oder viel zu wenig Binden.

Die Arbeit von Tearfund Deutschland

Wir sind sowohl in der Entwicklungszusammenarbeit tätig, so im Jemen, in Somaliland und in Pakistan, als auch in der Hilfe für Flüchtlinge, wie in Syrien, Jordanien, dem Irak und der Türkei. Immer geht es dabei auch um Wasserversorgung, Sanitär, Hygiene und Hilfe zur Selbsthilfe.

Verteilung von Hygienepaketen – inklusive Binden – an Flüchtlingsfamilien bei Gaziantep, Türkei: