Was verstehen wir unter

Ernährung sichern

Weltweit leiden rund 733 Millionen Menschen unter Hunger. Das sind über 9% der Weltbevölkerung. 2,3 Milliarden Menschen leiden an sogenanntem „verstecktem Hunger“. Das bedeutet sie können nicht genügend Nährstoffe zu sich nehmen, um ein gesundes Leben zu führen¹.

¹ Aktion gegen den Hunger: Nahrungssicherheit und Lebensgrundlagen, (2025)

Die Ursachen für Hunger und fehlende Ernährungssicherheit sind vielfältig:

Kriege und politische Konflikte schneiden ganze Regionen von der Außenwelt ab. Die Folgen des Klimawandels und Extremwetterereignisse, wie Dürren oder Überschwemmungen, zerstören die Ernten. Schwankende Lebensmittelpreise und die hohe Abhängigkeit kleiner Produzenten vom instabilen Weltmarkt führen dazu, dass viele Menschen sich ausreichend ausgewogene Ernährung nicht leisteAußerdem beherrschen einige große Agrar- und Lebensmittelkonzerne durch ihre Marktmacht die Lebensmittelkette und drücken dabei die Erzeugerpreise. Diese Machtverhältnisse beeinflussen politische Entscheidungen zugunsten der Konzerne und benachteiligen kleine Produzenten weiter. Alternativen wie fairer Handel oder ein Lieferkettengesetz versuchen dem Abhilfe zu schaffen, werden aber zunehmend durch nationale Interessen zurückgedrängt. Neben den westlichen Konzernen, etabliert sich zunehmend eine (neue) Ausbeutungskultur etwa durch den Einfluss Chinas.

Wie bekämpft Tearfund Hunger?

Tearfunds Partner arbeiten in den ärmsten Regionen dieser Welt, in denen Landwirtschaft für viele Menschen die wichtigste Lebensgrundlage ist. Oftmals können Kleinbäuerinnen und -bauern jedoch nicht genug Nahrungsmittel anbauen oder erwirtschaften nicht genug, um ihre Familie zu ernähren. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen und den Communities vor Ort arbeiten wir deshalb daran, resiliente Lebensgrundlagen und damit langfristig zu schaffen.

Die Gründung von Spar- und Selbsthilfegruppen

Ein wesentlicher Bestandteil unserer Projekte zur Ernährungssicherung ist die Gründung von Spar- und Selbsthilfegruppen (SHG). In diesen Gruppen erhalten Mitglieder kleine, zinsgünstige Kredite zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse, oder für die Gründung von Kleinstunternehmen. Für die Mitglieder ist ihre Gruppe häufig ein Zufluchtsort, an dem sie Probleme ansprechen und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen können.

Eine SHG hat in der Regel ca. 15-20 Mitglieder, die zu den vulnerabelsten und ärmsten in ihrer Community gehören. Viele Gruppen bestehen ausschließlich aus Frauen. Jede Woche sparen die Mitglieder einen kleinen Betrag und bauen so ein Gruppenkapital auf. Die Gruppen sind selbstverwaltet und werden vollständig aus den Ersparnissen der Mitglieder finanziert.

Der Ansatz muss ganzheitlich sein

Ernährungssicherheit hat verschiedene Dimensionen: die Verfügbarkeit von ausreichend ausgewogenen Nahrungsmitteln, der Zugang zu Land, Saatgut und Nahrungsmitteln sowie deren angemessene Nutzung und die insgesamte Stabilität der Versorgungssituation².

In unseren Projekten erhalten Menschen daher sowohl Schulungen zu verbesserter, klimaangepasster oder agro-ökologischer Landwirtschaft, um sich selbst mit ausreichend Nahrungsmitteln versorgen zu können, als auch Trainings zu finanzieller Grundbildung. Diese Trainings helfen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei, eigene Ernteerträge auf dem Markt zu verkaufen und langfristig den finanziellen Bedarf ihrer Familie zu planen.  Außerdem werden insbesondere Frauen und Mütter für gesunde Ernährung sensibilisiert und erfahren, wie sie mit den vorhandenen Ressourcen ihre Familie ausgewogen ernähren können.

² FAO: Measuring hunger, food security and food consumption, (2026)

„Wir sind überzeugt, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern selbstständig Armut überwinden können. Deshalb rüsten wir sie aus mit klimaangepassten Anbaumethoden, grundlegender Bildung und unterstützen sie dabei, sich in Spargruppen zusammenzuschließen. Außerdem stärken wir marktorientierte Initiativen, damit Bäuerinnen und Bauern ihre Produkte weiterverarbeiten und vermarkten können und vernetzen sie strategisch mit Behörden und Mikrofinanzeinrichtungen.“

Laban A., Tearfund Mitarbeiter im Südsudan

Der Ansatz muss ganzheitlich sein

Frauen leisten einen enormen Beitrag zur Versorgung ihrer Familien, sind jedoch überproportional häufig von Armut, Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung betroffen. Weltweit werden Frauen schlechter bezahlt als Männer und haben eingeschränkten Zugang zu sozialen und wirtschaftlichen Ressourcen, sowie zu Bildung und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. Dabei reinvestieren Frauen bis zu 90% ihres Einkommens in die Versorgung ihrer Familie³. Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen ist daher ein wichtiger Teil von Ernährungssicherung.

Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass dadurch bestehende Geschlechternormen aufgebrochen werden und dies zu mehr Gewalt gegen Frauen führen kann. Daher muss die gesamte Community in Veränderungsprozesse einbezogen werden, um Frauen langfristig auch in ihrer sozialen Rolle zu stärken. Wie das gelingen kann, kannst Du hier nachlesen.

³ Global Citizien: Why Investing in Women benefits us all, (2024).

Wusstest Du schon?

Ernährungsunsicherheit wird von der Welternährungsorganisation der UN anhand einer globalen Skala (Food Insecurity Experience Scale) gemessen. Diese Skala misst den Anteil der Bevölkerung, der während eines bestimmten Zeitraums moderate oder schwere Ernährungsunsicherheit erlebt hat. Dazu werden Haushalte zu einer Reihe von Bedingungen befragt, die typischerweise bei Ernährungsunsicherheit auftreten, wie z.B. ob sie im Messzeitraum mindestens einmal eine Mahlzeit ausfallen lassen mussten, weil sie nicht genug Geld hatten, um Essen zu kaufen¹.

¹ Ritchie, Hannah: How is food insecurity measured? Our World in Data, (2023)

Ein Projektbeispiel aus der Zentralafrikanischen Republik

Ein Projekt, in dem wir insbesondere Frauen stärken, die Ernährung langfristig zu sichern, findet in der Zentralafrikanischen Republik statt.

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