Wenn seelische Wunden bleiben – Traumasensibles Arbeiten in der Entwicklungszusammenarbeit
Hinweis: Dieser Artikel spricht über Gewalt, Krieg und traumatische Erfahrungen
Gewalt, Krieg, Flucht, Armut. Viele Menschen erleben Situationen, die ihre psychischen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen. Was bleibt, ist oft mehr als eine Erinnerung: Es sind Spuren im Körper und im Erleben – ein Trauma.
Für die Entwicklungszusammenarbeit bedeutet das: Wer über Zukunftsperspektiven spricht, muss auch über seelische Wunden sprechen.
Trauma verstehen
Extreme, bedrohliche Erlebnisse, wie Gewalt, ein schwerer Unfall, oder das Miterleben einer Naturkatastrophe, können zu einer tiefgreifenden psychischen Verletzung führen. Diese seelische Wunde nennt man Trauma. Bei wiederholten Erlebnissen, wie anhaltender (sexualisierter) Gewalt, Krankheit, Vernachlässigung oder auch tiefgreifender Armut, spricht man auch von komplexen Traumata.
Traumatische Erlebnisse übersteigen die psychischen Bewältigungsmöglichkeiten des Menschen. In der traumatisierenden Situation reagiert der Körper mit extremem Stress, um sich zu schützen. Er arbeitet im Notfallmodus. Was im Moment als Überlebensversuch beginnt – kämpfen, fliehen, erstarren – wird später zum Symptom des Traumas.
Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf traumatische Erfahrungen. Reaktionen können unmittelbar auftreten, aber auch Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte später. Das Erlebte ist für Betroffene nicht einfach Vergangenheit. „Es wird im Körper gespeichert – es ist der verkörperte Schrecken. Und kann sich jederzeit wieder wie Gegenwart anfühlen.“¹ (Heike Salvador, Traumafachreferentin)
¹ Heike Salvador (Traumafachreferentin bei medica mondiale)



