Was verstehen wir unter

Hilfe zur Selbsthilfe

Wir sind davon überzeugt, dass jeder Mensch über Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, die sie oder ihn befähigen, Veränderungen im eigenen Lebensumfeld zu bewirken. Deshalb unterstützen unsere Projekte Communities dabei, sich selbst zu organisieren und gemeinsam Veränderungen umzusetzen. In diesem Zusammenhang sprechen wir von „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Der Ausdruck „Hilfe zur Selbsthilfe“ taucht in der Entwicklungszusammenarbeit häufig auf, wird aber oft nicht genau definiert. Er läuft daher auch Gefahr, ein Sammelbecken für verschiedenste Ansätze und Konzepte zu sein.

Selbsthilfe ist zunächst das Gegenteil von Fremdhilfe und damit das Gegenkonzept zu staatlicher oder institutioneller Hilfe „von oben“. Häufig geschieht Selbsthilfe als Reaktion auf unzureichende oder fehlende externe Unterstützungsangebote. Eben da, wo niemand anders angemessene Hilfe leistet, werden Menschen aktiv, um sich selbst zu helfen. Als Initiative, die „von unten“ kommt, ist Selbsthilfe deshalb immer abhängig von der Lebenssituation der Menschen.

In unseren Projekten geschieht Selbsthilfe in Gruppen und ist ein solidarischer Prozess, in dem sich Menschen selbstbestimmt zusammenschließen und sich gegenseitig unterstützen. Das setzt Eigenverantwortung und Eigeninitiative voraus, denn jede angestrebte Veränderung ist nur tragbar und nachhaltig wirksam, wenn sie die Anliegen der Menschen adressiert und die Betroffenen dieses Anliegen selbst vorantreiben.

Hilfe zur Selbsthilfe ist die externe Unterstützung der Menschen, diesen Prozess zu beginnen. Es beschreibt daher alle Maßnahmen, die Menschen in einem ersten Schritt dazu befähigen, sich selbst zu organisieren, Aktivitäten zu planen und umzusetzen. Dazu gehört auch, die nötigen Voraussetzungen für Selbsthilfe zu schaffen, z.B. indem das Bewusstsein und die Motivation der Beteiligten gefördert, oder Fähigkeiten und Kompetenzen vermittelt werden, die nötig sind, um eigene Vorhaben umzusetzen. Es kann auch bedeuten, friedensfördernde Maßnahmen anzustoßen, oder psychosoziale Angebote aufzubauen. Da die Verantwortung langfristig bei den Menschen vor Ort liegt, kann Hilfe zur Selbsthilfe immer nur zeitlich begrenzt geschehen.

Gibt es auch Kritik an diesem Ansatz?

Obwohl Hilfe zur Selbsthilfe ein wichtiger Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit ist, ist es wichtig anzuerkennen, dass nicht alle Probleme durch Selbsthilfe gelöst werden können bzw. die Verantwortung für ungelöste Probleme nicht allein bei den betroffenen Einzelpersonen liegt. Bestimmte Problemlagen sind tief verankert, z.B. in Form von struktureller Benachteiligung oder in den ungerechten Strukturen des internationalen Systems. Selbsthilfe-Initiativen sind ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil von Entwicklungsprozessen, ersetzen aber nicht die Verantwortung externer Akteure, ebenfalls strukturelle Ursachen von Ungleichheit zu bekämpfen.

Koordinierte Ansätze über die Selbsthilfe hinaus

Neben individuellen und gemeinschaftlichen Selbsthilfeprozessen wird in der internationalen Zusammenarbeit deshalb zunehmend der sogenannte Nexus-Ansatz diskutiert. Er beschreibt die bewusste Verzahnung von humanitärer Nothilfe, Übergangshilfe und langfristigen strukturfördernden Maßnahmen. Damit werden  Menschen nicht nur kurzfristig unterstützt, sondern stabile Rahmenbedingungen für nachhaltige Entwicklung geschaffen. Dieser Ansatz berücksichtigt, dass viele Problemlagen komplex sind und sich nicht allein durch Selbsthilfe oder durch isolierte Maßnahmen eines einzelnen Sektors lösen lassen.

Wusstest Du schon?

Ein Begriff, der eng verwandt ist mit dem Konzept „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist empowerment (Ermächtigung). „Empowerment zielt darauf ab, dass Menschen die Fähigkeit entwickeln und verbessern, ihre soziale Lebenswelt und ihr Leben selbst zu gestalten. Ergebnisse dieser Prozesse sind meist die Aufhebung von Ohnmacht und ein gestärktes Selbstbewusstsein der Betroffenen – also eine Art Umverteilung von Macht im Kleinen.“¹ Beide Ansätze verfolgen das gleiche Ziel: Menschen zu befähigen, ihr Leben aus eigener Kraft zu gestalten.

¹ Brandes, S. & Stark, W.: Empowerment/Befähigung. In: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (Hrsg.). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden, (2025).

Ein Projektbeispiel aus dem Jemen

Im Jemen schulen unsere Partnerorganisationen Frauen in den Bereichen gesunde Ernährung und Viehzucht und unterstützen sie mit Materialien dabei, ihre eigene Hühner- oder Ziegenzucht aufzubauen und damit ein Einkommen für ihre Familie zu erwirtschaften.

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