Wie Kleinbauern im Südsudan den Kriegsfolgen und dem Klima trotzen
Dr. Isaac Taban ist frustriert. Es ist Juli – und seit April hat es nicht mehr geregnet. An tausend Familien haben er und sein Team Saatgut verteilt. Die Hitze lässt es verdorren. Was sollen die Menschen essen?
Das Klima wandelt sich spürbar
Die Provinz Pochalla liegt im Osten des Südsudan, an der Grenze zu Äthiopien. Große Sumpfgebiete machen es unmöglich, die Region mit dem Auto zu erreichen. Die Versorgung geschieht auf dem Luftweg: Einmal in der Woche landen Flugzeuge der Vereinten Nationen.
Dr. Taban besorgt neues Saatgut. Doch die Farmer sind demoralisiert. Den harten Boden mit der Hacke bestellen, um mit leeren Händen dazustehen? Und was ist, wenn im Juli wie im Vorjahr der Fluss über die Ufer steigt und die Ernten weggespült? „Wir spüren die Veränderungen beim Klima sehr deutlich“, erklärt Dr. Taban, „früher begann die Regenzeit immer Mitte März und ging bis September, heute wissen wir nicht, womit wir rechnen können. Dürren und Fluten wechseln sich ab.“
Gegen Überschwemmungen helfen Deiche. Mit seinem Team organisiert Isaac Taban ein „Work for Cash“-Programm. Menschen ohne Arbeit bauen Deiche gegen die Fluten. Damit dürfte die zweite Aussaat sicher sein. Ein Training für Farmer wird angeboten. Neue Bedingungen fordern neue Methoden. Wurde früher das Feld nach der Ernte abgebrannt, die Asche diente als Dünger, lässt man heute die Pflanzenreste auf dem Feld, um es vor dem Austrocknen zu schützen.
Wer zurückkommt, steht oft vor dem Nichts
Dr. Taban leitet ein „field office“ in Pochalla. Tearfund Deutschland führt hier Projekte durch, gemeinsam mit der Bundesrepublik und mit einem nationalen Partner. Etwa 60.000 Menschen leben in der Region. Tausende flohen im Bürgerkrieg, der bis 2019 andauerte, nach Äthiopien, das hier nur durch einen schmalen Fluss vom Südsudan getrennt ist. Wer zurückkommt, steht oft vor dem Nichts: Die Felder wurden niedergebrannt, viele Häuser sind zerstört.
Das Projekt schafft Lebensgrundlagen für Rückkehrer. Es beginnt mit Lebensmittelpaketen, ein Großteil der Menschen hat nur die Hälfte der täglich benötigten Kalorien zur Verfügung. Auch Infrastruktur muss geschaffen werden. Der Ausbau einer Landebahn für Transport-Flugzeuge, damit Hilfsgüter nach Pochalla gelangen. Straßen und Deiche werden gebaut. Nun folgen Landwirtschaftsprogramme, damit die Menschen sich selbst versorgen können – allen Rückschlägen zum Trotz.
Versöhnte Beziehungen
Dr. Taban hat seinen Beruf als Arzt aufgeben, um dieses Projekt zu leiten. Als Christ weiß er: gelingendes Leben fängt mit versöhnten Beziehungen an. Dafür brauchen Menschen aber die Erfahrung, wertvoll zu sein. Besonders für Frauen gilt das. Und so umfasst die Arbeit in Pochalla auch ein Schutzhaus für Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben. Ein anderes Projekt der Friedensarbeit ist ein Fußballcamp mit Jugendlichen aus verfeindeten Stämmen, die miteinander lernen fairen Sportsgeist zu entwickeln. Die Mitarbeiter von Tearfund stammen aus verschiedenen Stämmen und Gruppen.
„Bei Gott gibt es keine Unterschiede“, sagt Dr. Taban, „deswegen machen wir auch keine.“
Fehlt nur noch genügend Regen und eine gute Ernte.







