Humanitäre Krise im Jemen

Kinder und Jugendliche leiden besonders unter den Folgen

Höchste Notfallstufe im Jemen

Der Jemen – in Deutschland hört man wenig über dieses Land im Süden der Arabischen Halbinsel. Die Menschen dort leiden unter der größten humanitären Krise unserer Tage. Die Vereinten Nationen haben für den Jemen die höchste Notfallstufe ausgerufen: Level 3. Auf eine solche Notsituation müsste in allen Bereichen und mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln reagiert werden. Aber noch immer verschließen die meisten die Augen vor der Not im Jemen.

Was steckt hinter dem Konflikt im Jemen, der die Hauptursache für die humanitäre Katastrophe ist? Vordergründig ist es ein Krieg zwischen schiitischen Rebellen und einer von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz, die den 2012 gewählten Übergangspräsidenten und ihm loyale Militärs unterstützt. Die aktuellen Friedensverhandlungen fokussieren sich auf diese beiden Lager. Doch die Gemengelage ist wesentlich komplexer. Es gibt verschiedene politische Parteien, im ehemals sozialistischen Süden eine Unabhängigkeitsbewegung, islamistische Gruppierungen sowie diverse Stämme mit jeweils unterschiedlichen Loyalitäten. Der Krieg, wirtschaftlicher Zusammenbruch, Blockaden der Häfen, Treibstoffmangel und extrem gestiegene Preise haben zu der größten humanitären Krise unserer Tage geführt.

22,2 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe

Nach fast vier Jahren Krieg leiden Jemens Kinder und Jugendliche besonders stark unter den Kampfhandlungen und dem Einbruch der Wirtschaft. Erschreckend sind auch die Zahlen insgesamt: Derzeit benötigen 22,2 Millionen Menschen im Jemen Nothilfe – mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes! 17,8 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen, davon leiden 8,4 Millionen Menschen extremen Hunger. Das entspricht in etwa der Zahl von Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland eine allgemeinbildende Schule besuchen.

Doch es geht eben nicht um Zahlen, sondern um einzelne Menschen. Bei Gesprächen mit Jemeniten wird eine Sehnsucht nach Leben deutlich – nicht nur nach bloßem Überleben. Insbesondere Jemens Kinder und Jugendliche wollen über mehr als nur ihre akuten Probleme reden. Sie träumen wie ihre Altersgenossen in Deutschland z. B. davon, dass sie einmal Ärztin oder Pilot werden wollen. Der Jemen ist ein junges Land – die Hälfte der Bevölkerung ist 19 Jahre und jünger. Wir dürfen diese Generation nicht ihrer Zukunft berauben!

Wie Tearfund Deutschland den Menschen im Jemen hilft

Wir lassen die Menschen im Jemen nicht im Stich, sondern helfen ihnen mit unseren Projekten:

  • Wasserversorgung für Binnenflüchtlinge
  • Zisternen zur Regenwassersammlung, damit auch längerfristig mehr Wasser zur Verfügung steht
  • Sanitärversorgung und Hygieneutensilien, damit sich Krankheiten und Epidemien (z. B. Cholera) nicht weiter ausbreiten
  • Lebensmittelpakete für hungernde Kinder und ihre Familien
  • Beratungen von Schwangeren und jungen Müttern zu Ernährung, Impfungen etc.

Unterstützung von Familien, um ihre Ernährungssituation längerfristig zu verbessern (Hausgärten, Kleintierhaltung etc.)

So bringen wir nicht nur Hilfe, sondern auch Hoffnung ins Land – wir zeigen den Jemeniten, dass sie nicht vergessen sind. Wir leisten einen Beitrag, um der Not im Jemen zu begegnen. Damit halten wir den Menschen, gerade Jemens Kindern und Jugendlichen, den Rücken frei, damit sie die Zukunft mitgestalten können: ihre persönliche und die ihres Heimatlandes.

Im Zuge des sogenannten „Arabischen Frühlings“ gab es ermutigende Aufbrüche. Die Menschen gingen auf die Straße, diskutierten viel. Frauen und Jugendliche kamen aus der Deckung und beteiligten sich aktiv. In einer Versammlung des „Nationalen Dialogs“ waren fast alle gesellschaftlichen Gruppen vertreten, um als Grundlage eines modernen Jemens eine neue Verfassung zu erarbeiten.

Unsere Hoffnung ist, dass die Gewalt im Jemen bald aufhört. Die Jemeniten müssen wieder gemeinsam und mit friedlichen Mitteln um Kompromisse ringen, wie die Zukunft des Landes aussehen kann: Versöhnung leben. Dies muss sich letzten Endes von innen entwickeln, ohne Einmischung anderer Staaten mit ihren Eigeninteressen – auch wenn der Jemen derzeit auf humanitäre Unterstützung anderer Länder angewiesen ist und auch wirtschaftlich sicher noch eine ganze Weile Hilfe benötigen wird.

So ist es für uns entscheidend, dass wir und unsere lokalen Partnerorganisationen als neutrale Helfer wahrgenommen werden. Wir helfen, wo die Not ist. Damit das Land und insbesondere Jemens Kinder und Jugendliche wieder Hoffnung für die Zukunft schöpfen können.

Ihre Spende unterstützt Kinder und Jugendliche im Jemen

Tearfund Deutschland ist seit dem Jahr der Vereinsgründung im Jahr 1998 im Jemen aktiv. Wer das Land einmal kennengelernt hat, den lässt es nicht mehr los, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Als Tourismus noch möglich war, hörte man oft selbst von vielgereisten Gästen, dass sie noch kein beeindruckenderes Land gesehen haben. Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, die überwältigende Landschaft, einzigartige Architektur, jahrtausendealte Geschichte – der Jemen geht unter die Haut.

So ist es ein Privileg, dass wir dem Land und seinen Bewohnern Krisenzeit beistehen können. Werden Sie Teil davon. Unterstützen Sie Jemens Kinder und Jugendliche mit Ihrer Spende für unsere Arbeit!